Neuland – Kompakt

Mission Possible

… sich jenseits der Handlungsunfähigkeit der administrativen Politik unabhängig von Alter, Herkunft, Bildung, Geschlecht, Nationalität, Religion und politischer Gesinnung zu ergänzen, die eigenen engen Handlungsmöglichkeiten zu erweitern und gemeinsam ungeahnte Handlungsräume und -fähigkeiten zu entfalten – Zukunft wagen.

Ein handgreifliches, griffiges Buch, praxisnah, von Aktivisten geschrieben – Menschen die erklären, woher sie kommen, was sie wollen und wie sie es machen. Mit Beiträgen von Aktivisten von Sea-Watch, borderline-europe, afrique-europe-interact, red-cross italy, praxisnahen Kennern der Szene aus sozialpsychologischer Sicht und Menschen, welche die Flucht überlebt haben.



Neuland kompakt

mission possible

10 €
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Das Projekt

Nur wenn wir der Zukunft, die wir wünschen, eine Chance geben, hat sie eine Chance. Wir können nicht erwarten, dass sie sich von alleine erzeugt. Die reale Chance einer erwarteten Zukunft können wir nur praktisch umsetzen, damit sie real wird. Ansonsten bleibt sie lediglich ´gedacht´ und ´gewünscht´ und Alles geht so weiter wie bisher. Neuland ist anders: Das Projekt entsteht, indem viele Menschen zusammenarbeiten, sich ergänzen, die eigenen Handlungsspielräume erweitern - in Kenntnis der Schwierigkeiten und in Kenntnis der eigenen Grenzen.

Weltweit sind über 60 Millionen Menschen auf der Flucht.Vor unserer Haustür, Mittelmeer, Libysche See, tausende Tote, ertrunkene Säuglinge.

Wofür das Alles?

Vielleicht eine Seemeile lang trug ich die kleine Leiche ganz nah an mir, mit meinem Körper die Wellen ausbalancierend, - damit ihr nichts zustoße. Einerseitswusste ich, dass das Kind tot war, andererseits fühlte ich, dass es etwas inmir auslöste, dass ich es festhielt... Mir war nach Schreien - ich wusste nicht wohin mit uns beiden - dieses Kind hätte die Schönheit dieser Welt kennenlernen können.

Es war so ruhig, aber ich hörte es permanent fragen: “Was ist los mit Euch auf diesem Planeten, dass ich hier ertrinke?“

Es war tot, und etwas in mir verband sich mit ihm und so hielt ich es weiter ganznah bei mir. Und je mehr ich seine Nähe spürte, war mir klar, dass etwas Neues Raum nahm, unmittelbar, - mit einer enormen Vitalität und Klarheit. Ich bemerkte, wie sehr ich mit der aktuellen Situation verschmolz - ich fühlte mich gut aufgehoben, - auf dem Wasser, im Boot zusammen mit drei weiteren Männern.

Keiner sprach - mit klaren, ernsten Augen, angespannten Körpern, die lautlos weinten. Wenn es überhaupt Sinn macht, auf der Welt aktiv zu sein, dann für die Zukunft - für diese kleinen Kinder. Dieses war tot, aber ich hielt es im Arm - und ich wollte ihm die Ruhe geben, sich zu verabschieden und wenigstens uns seinestummen Fragen mitzugeben. Stille im Boot - dies blieb so, auch als wir uns dem Schnellboot des italienischen Küstenwachschiffes der Marine, 'Nave Vega' näherten: Stille. Vier Männer, zwei jüngere, die das Boot führten, zwei älterein schwarzen Kampfschwimmeranzügen. Sie starrten still auf das Kind in meinen Armen.

Dieter hinter mir und einer der Kampfschwimmer griffen jeweils die Hand des Anderen, um die Boote etwas zu stabilisieren. Der Jüngere übernahm behutsam den kleinen Körper. Keiner sprach.

Ein weiteres Kind, ein kleines Mädchen, hatte ich später im Arm, die Leichenstarre hatte eingesetzt. Ihre Augen waren geöffnet, Wasser lief aus ihren Ärmeln auf meine Arme. Der Wind und die Wellen hatten zugenommen, Wasserschäumte nach jedem Wellenberg aus ihrem Mund, so als würde sie gleich aufwachen, nach Luft japsen. Ihr rechter Arm war lang und starr ausgestreckt, sie hatte offenbar Todesangst durchlebt. Ihre Hand war halb geöffnet und ab und an berührte diese mein linkes Ohr, so wie kleine Kinder es gelegentlich tun. Der Tod war um uns herum, überall. Unsere nackte Angst sucht sich ja immer etwas, auf das wir uns dann stürzen oder das wir bekämpfen können. Hier war es einfach: Wir hatten zu tun, wussten, was gerade anstand.


Im Mai 2016 war der Herausgeber und Mitautor im Mittelmeer mit der "Sea-Watch2" vor der Küste Libyens im Einsatz, um Menschen in Seenot zu retten. Oft kamen die Retter rechtzeitig, manchmal zu spät. Er barg unter anderem zwei kleine Kinder, 6 und 8 Monate alt,- ertrunken: Mohamed und Maryam. Für diese beiden und stellvertretend für die Ermöglichung einer echten Zukunft kommen im Buch engagierte Autorinnen und Autoren zu Wort und Bild:

Barbara Held, Schiffsärztin und Sea-Watch-Fahrerin; Andreas-Kuno Richter: Journalist und Sea-Watch - Fahrer; Janek: Maschinist, Sea-Watch-Fahrer; Brendan Woodhouse: Feuerwehrmann, Sea-Watch-Aktivist; Carola Rackete: Kapitän bei Sea-Watch, Fabio Siclari: Flüchtingshelfer; Angela Mallamaci; Flüchthlingshelferin; Caterina Canale: Flüchtlingshelferin; Intervista_ITA: Künstlerkollektiv; Daniel A: über das Mittelmeer geflohen; Eritrea; Anas: über das Mittelmeer geflohen; Daniel W: Über das Mittelmeer geflohen; Eritrea; Emmanuel Mbolela: politischer Aktivist aus dem Kongo; Ingo Werth: head of mission an Bord bei Sea-Watch; Prof. Werner Ruf: Sozialwissenschaftler; Prof. Rudolph Bauer: Sozialwissenschaftler, Bildender Künstler;  Andrej Hunko: MdB (Die Linke); Martin Kolek.